Jeder Einstieg in eine anspruchsvolle Tätigkeit benötigt eine Investition. In der Fotografie sind dies die Kamera und die Objektive. Gerade in diesem Punkt haben die letzten 10 Jahre eine enorme Entwicklung mit sich gebracht. Nach dem die Innovativsten Firmen der 70er Jahre vom Markt verschwunden sind, stagnierte die Entwicklung. Die Spiegelreflexkamera war das Werkzeug des ambitionierten Fotografen. Doch seit einigen Jahren setzten alle grossen Hersteller auf die Spiegellosen Systeme. Deshalb gilt es als sich bei der Anschaffung einer Kamera als erstes gut zu informieren, ansonsten wird man viele Fehlinvestitionen später bereuen.

Nikon Z8 Spiegellose Kamera
Die Nikon Z8 verzichtet auf einen mechanischen Verschluss.

 

Grundlegende Fehler beim Kamerakauf

Viele Fotografen rennen beim erscheinen einer neuen Kamera gleich los um sie zu kaufen. Begeisterung für neue Technik macht blind für deren Nachteile. Denn neue Technik kann immer noch Fehler enthalten, welche erst entdeckt werden weil diese Nachteile erst sichtbar werden, wenn diese Technik oft genutzt wird. Deshalb ist es immer gut das erste oder gar das zweite Firmware Update abzuwarten. Mir blieben durch diese Regel schon zahlreiche Rückrufaktionen erspart, weil Qualitätsmängel in der Mechanik entdeckt wurden.

Der Mythos der unprofessionellen APS-C Kamera.

Gerade die Nikon D300, D300S und D500 sind professionelle Kameras welche vor allem bei Sport und Wildlife Fotografen sehr beliebt waren. Der kleiner Sensor, bringt einen engeren Abbildungswinkel mit sich. Weshalb ein 200 mm Objektiv den selben Bildausschnitt bringt wie 300mm in Vollformat. Vollformat Objektive lassen sich auf APS-C Kameras nutzen, wobei sich die Randverzeichnung und Randunschärfe der Objektive fast gänzlich wegfallen, weil APS-C Kameras nur die Sweet-Spots der Vollformat Objektive nutzen. Umgekehrt lassen sich APS-C Objektive nicht ohne Einschränkung auf Vollformatkameras nutzen. Bei vielen Vollformatkameras führen, APS-C Objektive zu hässlichen Vignettierungen, als erste Vollformatkamera konnte die Nikon D810 APS-C Objektive im Crop-Modus nutzen. Das APS-C Kameras also unprofessionell seien gehört ins Reich der Mythen. Professionelle Kameras, unterscheiden sich vor allem durch die Bedienelemente am Kamerabody. Der Professionelle Fotograf kann nicht lange in den Menus der Kamera herumwühlen, um seine Kamera einzustellen, er muss liefern. 

Optischer Sucher, Elektronischer Sucher.

Die Spiegellose Kamera ist aus der Not geboren. Nach der Übernahme der beiden Innovationstreiber der 70er Jahre, Minolta Konica durch Sony war man durch das neue Management etwas auf dem Irrweg. Mit der Sony A30 erschien die erste DSLR Kamera mit Halbdurchlässigem Spiegel. Dieses Konzept setzte sich nicht so durch. Die Spiegellose Kamera war somit der logische Schluss dieser Entwicklung. 

Der optische Sucher einer Spiegelreflexkamera fällt durch sein charakteristische Geräusch beim hochklappen des Spiegels auf. Beim hochklappen des Spiegels verliert man kurzzeitig den Blick auf das Motiv. Diese Schwarzzeit wirkt sich jedoch nicht so lange aus wie beim elektronischen Sucher, weil nicht zuerst noch der mechanische Verschluss für die Aufnahme geschlossen werden muss. 

Langfristig wir kein Hersteller mehr eine Spiegelreflex Kamera auf den Markt bringen!

Das Konzept der Spiegellosen Kamera bietet auch den Ingenieuren der Kamerahersteller Vorteile. Weshalb in den nächsten Jahren keine neue Spiegelreflex Kamera auf dem Markt erscheinen wird. Durch den Wegfall des Spiegelkasten, kommt man 12mm näher an den Sensor heran, was sich auch auf die Konstruktion der Objektive auswirkt. Der Brechungsindex der optischen Gläser wirkt sich dadurch nicht mehr so stark auf die Bildqualität aus. Die enorme Steigerung der Schärfeleistung, und die Senkung der Farbfehler ist nur diesen 12mm zu verdanken, weil die Linsen anders gerechnet werden können. Durch die Nähe zum Sensor werden die Streukreise kleiner, was sich natürlich auf die Schärfeleistung auswirkt. Gerade diese Entwicklung gilt es beim Kauf einer Kamera zu beachten.

Ausblick auf die Zukunft

Im Moment geben gerade Global-Shutter Sensoren von sich zu reden. Diese Sensoren sind jedoch nicht neu, sondern waren in der Industrie schon lange im Gebrauch. Als erste Kameras im Fotografischen Bereich enthielten die Nikon D60, Nikon D40 und Nikon 40x diese Sensoren. Die Vorteile dieser Sensoren spielen sich jedoch nur bei elektronischem Verschluss aus, denn dadurch fällt die Blitzsynchronisationszeit weg. Dies hat natürlich auch Vorteile beim fotografieren mit Blitzlicht. Doch es bringt auch Nachteile so sind die Sensoren teurer als Rolling-Shutter Sensoren und sie haben zudem noch einen geringeren Dynamikumfang. Diese Technik wird also lediglich eine Nische bleiben.

Doch Nikon hat ein neues Konzept das zum Trend werden wird. Mit der Nikon Z9 und der Z8 sind bereits zwei Kameras auf dem Markt welche ganz auf den Schlitzverschluss verzichten. Ansonsten enthalten diese Kameras nur noch einen Sensorshield welcher den Sensor vor Verunreinigung schützen soll. Der Mechanische Verschluss ist ein Abnutzungsteil, welches die Lebensdauer einer Kamera verkürzen kann. Das auswechseln des Mechanischen Verschluss, welcher auf 100'000 Auslösungen ausgelegt ist, kann mehrere Wochen dauern. Im Professional Service ist dieser innerhalb eines Tages ausgewechselt. 

Nikon D850 und D500
Nikon D850 und D500 DSLR Kameras

 

1. Grundlegender Unterschied

  • DSLR (Digital Single Lens Reflex)

    • Klassisches Kamerasystem mit Schwingspiegel.

    • Optischer Sucher (OVF): Du siehst das Motiv direkt durch das Objektiv, ohne elektronische Verzögerung.

    • Sehr bewährt, große Objektivvielfalt, besonders auf dem Gebrauchtmarkt.

  • DSLM (Digital Single Lens Mirrorless)

    • Spiegelloses System: Kein Spiegel, dafür elektronischer Sucher (EVF) oder nur Bildschirm.

    • Moderner, kompakter, oft leichter.

    • Bietet neue Funktionen wie Eye-AF, Live-Histogramm, leises Auslösen.


2. Vorteile und Nachteile im Überblick

DSLR – Vorteile

  • Optischer Sucher, ideal bei hellem Sonnenlicht
  • Lange Akkulaufzeit (kein Stromverbrauch durch EVF)
  • Riesige Auswahl an Objektiven, vor allem gebraucht oft günstig
  • Robuste Bauweise, bewährt und langlebig

DSLR – Nachteile

  •  Größer und schwerer
  • Zunehmend auslaufende Technik – kaum neue Modelle
  •  Kein Live-Preview im Sucher (Histogramm, Belichtung etc. nur nach dem Foto sichtbar)
  • Autofokus im Live-View meist langsamer als bei DSLM

DSLM – Vorteile

  • Kompakt, leicht und technisch auf dem neuesten Stand
  • Elektronischer Sucher zeigt Belichtung, Weißabgleich und Effekte in Echtzeit
  •  Moderne Autofokus-Systeme (Eye-Tracking, Gesichtserkennung, Tier-AF)
  • Hohe Serienbildgeschwindigkeit, oft lautloses Auslösen
  • Zukunftssicher – neue Entwicklungen konzentrieren sich auf spiegellos

DSLM – Nachteile

  • Kürzere Akkulaufzeit (wegen EVF und Bildschirm)
  • EVF kann bei schnellen Bewegungen oder schwachem Licht leicht verzögern
  • Objektive für neue DSLM-Systeme oft teurer, weniger Auswahl auf dem Gebrauchtmarkt
  • Manche Fotografen empfinden den EVF als „unnatürlicher“ als einen optischen Sucher

3. Welche Kamera passt zu wem?

  • DSLR sinnvoll, wenn …

    • du günstiger einsteigen willst (gebraucht kaufen).

    • du viel Wert auf einen optischen Sucher legst.

    • dir lange Akkulaufzeit wichtig ist (z. B. Reisen, Naturfotografie).

    • du vor allem in etablierten Systemen (Canon EF, Nikon F) arbeiten möchtest.

  • DSLM sinnvoll, wenn …

    • du moderne Technik wie Augen-AF, Live-Histogramm und 4K-Video nutzen willst.

    • Gewicht und Größe eine Rolle spielen (Reise, Reportage).

    • du in die Zukunft der Fotografie investieren willst.

    • du gerne mit neuen Features experimentierst (z. B. Fokus-Peaking, elektronische Verschlüsse).


4. Empfehlungen für den Einstieg

DSLR-Einsteiger (Gebrauchtmarkt lohnt sich)

  • Canon EOS 80D / 90D → Allrounder mit guter Bildqualität und robustem Gehäuse.

  • Nikon D500 → Starke Bildqualität, schneller Autofokus.

  • Nikon D810 / Canon 6D (Vollformat) → Einstieg ins Vollformat, preislich attraktiv gebraucht.

DSLM-Einsteiger (aktuelle Systeme)

  • Sony Alpha 6400 → Kompakt, hervorragender Autofokus, APS-C.

  • Canon EOS R10 (APS-C) / R8 (Vollformat) → Moderner Einstieg ins Canon-R-System.

  • Fujifilm X-T30 II → APS-C mit Retro-Design, sehr gute JPEGs direkt aus der Kamera.

  • Nikon Z5 (Vollformat) → Preiswertes Vollformat mit stabiler Performance.

  • Nikon Z50 II (APS-C) →  ein vielseitiger Allrounder für Foto und Video.
  • Nikon ZR → eine kompakte, videoorientierte Vollformat-Cinema-Kamera.

5. Fazit

  • Wer günstig und klassisch einsteigen möchte, findet mit DSLR ein starkes, preiswertes Werkzeug. Besonders auf dem Gebrauchtmarkt sind Top-Kameras mit hochwertigen Objektiven erschwinglich.

  • Wer langfristig denkt und moderne Technik nutzen will, sollte direkt zu einer DSLM greifen. Sie sind kompakter, zukunftssicherer und technisch den DSLRs mittlerweile überlegen.

Es lohnt sich also sich gut zu informieren. Man kann auch verschiedene Kameras mit zugehörigen Objektiven für ein Wochenende mieten. Ich selbst habe mit einer Konica meinen Einstieg ins Kleinbild gemacht, habe aber gleichzeitig mit Hasselblad im Mittelformat und mit Sinar im Grossformat gearbeitet. Nach dem Konica mit Minolta fusioniert hat bin ich auf Nikon umgestiegen.