Eines der häufigsten Probleme welches mir bei meinen Workshops begegnet ist, die Frage weshalb versagt der Autofokus meiner Kamera so oft. Man hat die modernste Kamera mit Augenautofokus, doch selten sind die Augen scharf. Meine Antwort ist dann immer die selbe: Weil die Kamera nicht weiss wann der Fotograf den Auslöser betätigen will. Die Auslösung der Kamera ist tatsächlich ein zweistufiges Verfahren. Der Fehler liegt gerade darin wie man die Kamera auslöst. 

Pentax ME-F
Die Pentax ME-F von 1981 die erste SLR mit Autofokus

Die erste SLR Kamera mit Autofokus war die Pentax ME-F,  welche den Autofokus noch nicht voll  im Body integriert hatte. Zuvor gab es schon verschiedene Automatiken für die Belichtung. Die meisten hatten Zeitautomatik, während Konica mit dem Blendenautomat kam. Mit der Canon AE-1 erschien die erste Kamera mit Programmautomatik. Die Belichtungsmessung geschah mit leicht durchgedrückten Auslöser. Die erste Kamera mit voll integriertem Autofokus erschien 1985, die Minolta 7000 AF. Somit wurde nun auch der Autofokus an diesen halb durchgedrückten Auslöser gekoppelt. Was sich bewährt hat, das lässt man so, weshalb man die Kameras auch heute noch über diese Zwei-Punkt Auslösung bedient. 

Diese Zwei-Punkt Auslösung gibt es jedoch bei Smartphones nicht, weshalb einige Leute mit der Kamera Probleme bekunden. 

Minolta 7000 AF
Minolta 7000 AF SLR Kamera von 1985

Viele moderne Kameras verfügen über einen Auslöser mit zwei Druckpunkten – ein Detail, das für die Fotografie wichtiger ist, als es auf den ersten Blick wirkt.

🔹 Erster Druckpunkt – Fokussieren und Messen
Wird der Auslöser leicht gedrückt, aktiviert die Kamera ihre Automatik:

  • Autofokus stellt das gewählte Motiv scharf.

  • Belichtungsmessung ermittelt die passenden Werte für Blende, Verschlusszeit und ISO.

  • In vielen Kameras wird auch die Belichtungsspeicherung (AE-L) aktiviert, sodass sich die Werte auf das fokussierte Motiv beziehen.

Fotografen können in diesem Moment prüfen, ob die Schärfe und Belichtung passen – oft zeigt die Kamera dies durch ein ein kleines Symbol im Sucher/Display.

🔹 Zweiter Druckpunkt – Auslösen
Wird der Auslöser weiter durchgedrückt, löst die Kamera tatsächlich aus und das Foto wird gespeichert.


Vorteile der Zwei-Punkt-Auslösung

  • Kontrolliertes Fokussieren: Besonders hilfreich bei bewegten Motiven oder wenn das Hauptmotiv nicht in der Bildmitte liegt.
  • Belichtungskontrolle: Erst messen, dann den Bildausschnitt ändern, ohne dass sich die Werte sofort wieder verändern.
  • Schnelligkeit: Gerade in der Reportagefotografie ist es wichtig, sofort auslösen zu können, ohne lang nachjustieren zu müssen.

Tipp für die Praxis

Diese Art die Kamera zu bedienen benötigt etwas Übung. Dies erfordert das man dies zu Beginn etwas Konzentration, doch je länger man es nicht richtig macht, desto mehr wird dieser Fehler zur Gewohnheit. Deshalb sollte man möglichst früh damit beginnen, den so geht es in Fleisch und Blut über. 

  • Halb durchdrücken und halten: So bleibt Fokus und Belichtung gespeichert, während der Bildausschnitt neu gewählt wird.

  • Mit Serienaufnahmen kombinieren: Wer im entscheidenden Moment mehrere Bilder aufnehmen möchte, profitiert von der vorgespeicherten Schärfe und Belichtung.

  • Alternative: Viele Kameras bieten „Back Button Focus“, bei dem das Fokussieren auf eine separate Taste gelegt wird – praktisch für alle, die den ersten Druckpunkt nicht mögen.