Die Schärfe ist eines der zentralen Gestaltungsmittel in der Fotografie. Sie entscheidet darüber, welches Motivdetail im Bild im Fokus steht und wie klar und präzise ein Foto wahrgenommen wird. Moderne Kameras bieten dafür hochentwickelte Autofokussysteme, gleichzeitig spielen klassische manuelle Fokussierhilfen weiterhin eine wichtige Rolle – besonders in der kreativen, analogen oder spezialisierten Fotografie. In den Anfängen der Fotografie geschah dies noch auf der Mattscheibe, weshalb ein schwarzes Tuch an der Rückseite der Kamera angebracht war. Der Fotograf konnte so mit einer Lupe auf der Mattscheibe die Schärfe prüfen.

Manuelle Scharfstellung
Grundprinzip der manuellen Fokussierung
Bei der manuellen Scharfstellung wird der Fokus direkt am Fokussierring des Objektivs eingestellt. Der Fotograf entscheidet selbst, auf welche Entfernung fokussiert wird. Diese Methode erfordert Übung, bietet aber maximale Kontrolle – etwa in der Makrofotografie, bei Portraits mit geringer Schärfentiefe oder in Situationen mit schwachem Licht, in denen Autofokus-Systeme an ihre Grenzen stoßen.
Mikroprismenring
Der Mikroprismenring ist eine klassische Fokussierhilfe, die vor allem in analogen Spiegelreflexkameras, aber auch in manchen modernen manuellen Suchersystemen zu finden ist. Er besteht aus vielen kleinen prismatischen Elementen, die das Bild im Sucher flimmern oder unscharf erscheinen lassen, solange der Fokus nicht korrekt eingestellt ist.
Sobald die Schärfe stimmt, wird das Motiv im Mikroprismenring klar und ruhig dargestellt. Diese Methode ist besonders effektiv bei kontrastreichen Motiven.

Schnittbildindikator
Der Schnittbildindikator (auch Schnittbildkeil genannt) befindet sich meist in der Mitte des Suchers. Er teilt das Motiv in zwei Hälften.
Ist das Objekt unscharf, erscheinen gerade Linien im Motiv versetzt oder gebrochen. Durch Drehen des Fokussierrings werden die beiden Bildhälften zur Deckung gebracht. Sobald sie exakt übereinanderliegen, ist das Motiv scharf gestellt.
Diese Technik ist besonders präzise und eignet sich hervorragend für Architektur-, Produkt- und Portraitfotografie.

Fokuspeaking
Was bei den alten analogen Kameras Mikroprismenring und Schnittbildindikator waren, ist bei den modernen DSLM Kameras das Fokuspeaking. Dabei helfen farbige Markierungen dem Fotografen dabei, die Schärfe auf die wichtigen Teile des Motiv zu verlagern.
Autofokus-Systeme
Moderne Kameras verfügen über komplexe Autofokussysteme, die Geschwindigkeit, Präzision und Motivverfolgung kombinieren. Je nach Aufnahmesituation stehen verschiedene Autofokusmodi zur Verfügung.
Einzelautofokus (AF-S / One Shot AF)
Dieser Modus stellt einmal scharf, sobald der Auslöser halb gedrückt wird. Die Schärfe bleibt fixiert, bis das Foto aufgenommen wird.
Einsatzgebiet: Landschaften, Stillleben, Architektur, Portraits mit ruhigen Motiven.
Kontinuierlicher Autofokus (AF-C / AI Servo)
Der kontinuierliche Autofokus passt die Schärfe permanent an, solange der Auslöser halb gedrückt bleibt. Bewegte Motive werden verfolgt und nachfokussiert.
Einsatzgebiet: Sport, Tiere, Action-, Straßen- und Eventfotografie.
Automatischer Autofokus (AF-A / AI Focus)
Hier entscheidet die Kamera selbst, ob sie den Einzel- oder den kontinuierlichen Autofokus verwendet. Erkennt sie eine Bewegung, wechselt sie automatisch den Modus.
Einsatzgebiet: Schnelle, unvorhersehbare Situationen – allerdings mit weniger Kontrolle für den Fotografen.
Fokusfelder und Messmethoden
Zusätzlich zu den Autofokusmodi lassen sich meist verschiedene Fokusfeld-Optionen wählen:
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Einzelfeld-AF: Maximale Präzision, ideal für gezielte Bildgestaltung
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Mehrfeld- oder Zonen-AF: Kamera wählt passende Messfelder selbst
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Tracking-AF: Verfolgt ein ausgewähltes Motiv im Bild
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Augen- und Gesichtserkennung: Besonders beliebt in der Portraitfotografie
Manuell oder automatisch – was ist besser?
Die Wahl zwischen manueller und automatischer Scharfstellung hängt stark von der fotografischen Situation und dem persönlichen Stil ab. Während der Autofokus schnell und komfortabel ist, bieten Mikroprismenring und Schnittbildindikator ein direktes, visuelles Feedback und fördern ein bewussteres Arbeiten mit Schärfe und Bildaufbau.
Viele professionelle Fotografen kombinieren beide Methoden gezielt, um sowohl Präzision als auch Effizienz zu erreichen.
Fazit
Die Schärfeeinstellung ist weit mehr als eine technische Notwendigkeit – sie ist ein kreatives Werkzeug. Ob mit moderner Autofokus-Technologie oder klassischen Fokussierhilfen wie Mikroprismenring und Schnittbildindikator: Wer die verschiedenen Methoden beherrscht, kann seine fotografische Aussage gezielt steuern und Bilder mit klarer visueller Wirkung schaffen.